Wenn ein Trader einen Order übermittelt, erscheint er nicht einfach zum exakten Bildschirmpreis. Der Order durchläuft einen Routing-Prozess, der bestimmt, wer letztlich die Gegenseite des Trades übernimmt und zu welchem Preis er gefüllt wird. Dieses Pipeline-Verständnis erklärt, warum sich die Ausführungsqualität zwischen Brokern und Kontotypen so stark unterscheidet.
Market Execution vs. Instant Execution
Bei Market Execution akzeptiert der Trader den Preis, der im Moment des Erreichens der Liquidität verfügbar ist — es gibt keine Preisgarantie, und die Füllung kann leicht vom angezeigten Bildschirmpreis abweichen (hier entsteht Slippage). Bei Instant Execution versucht die Plattform, exakt zum angezeigten Preis zu füllen; ist dieser Preis nicht mehr verfügbar, wird der Order entweder abgelehnt oder ein Requote angeboten, den der Trader annehmen oder ablehnen kann.
Wohin Orders tatsächlich gehen
Bei einem Dealing-Desk-Modell (Market Maker) übernimmt der Broker selbst intern die Gegenseite vieler Kundentrades und hedgt die Nettoexposure nur bei Bedarf extern. Bei einem Agency- oder STP-Modell (Straight-Through Processing) werden Orders direkt an externe Liquiditätsanbieter weitergeleitet — Banken, Nicht-Banken-Market-Maker oder ein ECN —, ohne dass der Broker die Gegenseite übernimmt.
| Modell | Wer die Gegenseite übernimmt | Typische Ausführung |
|---|---|---|
| Dealing Desk / Market Maker | Der Broker, intern | Oft Instant Execution mit Requotes |
| STP (Straight-Through) | Externer Liquiditätsanbieter | Market Execution, variabler Spread |
| ECN / gebündelte Liquidität | Mehrere Anbieter über ein Orderbuch | Market Execution, Rohspread plus Kommission |
Gebündelte Liquidität und ECN-Orderbücher
Ein ECN-Modell (Electronic Communication Network) bündelt Kurse mehrerer Banken und Liquiditätsanbieter in einem einzigen sichtbaren Orderbuch und gleicht Kundenorders mit den besten verfügbaren Preisen aus diesem Pool ab. Das führt tendenziell zu engeren, transparenteren Preisen, geht aber meist mit einer separaten Kommission einher, da der Rohspread echte Marktbedingungen widerspiegelt statt eines Broker-Aufschlags.
Warum das Ausführungsmodell für Trader wichtig ist
- ▸Scalper und News-Trader benötigen generell Market Execution mit minimalem Requote-Risiko, um schnell handeln zu können.
- ▸Trader, die Preissicherheit über garantierte Füllung stellen, bevorzugen möglicherweise Instant Execution trotz gelegentlicher Requotes.
- ▸Das Verständnis des Ausführungsmodells hilft zu verstehen, warum Füllungen manchmal vom angezeigten Preis abweichen.
- ▸Das Ausführungsmodell ist unabhängig von der Plattformwahl — dieselbe Plattform (z. B. MT4) kann unter verschiedenen Broker-Ausführungsmodellen konfiguriert sein.
Jedes Ausführungsmodell passt zu unterschiedlichen Handelsstilen und Ordergrößen. Die Bewertung der Ausführungsqualität erfordert einen Blick auf tatsächliche Fülldaten über die Zeit — durchschnittliche Slippage, Ablehnungsrate und Geschwindigkeit — statt anzunehmen, ein bestimmtes Modell sei grundsätzlich überlegen.
Ausführungsberichte lesen
Viele Broker stellen mittlerweile Ausführungsqualitätsberichte bereit, die durchschnittliche Slippage, den Prozentsatz zum angeforderten Preis gefüllter Orders und die durchschnittliche Ausführungsgeschwindigkeit zeigen. Diese Berichte regelmäßig zu prüfen, zusammen mit dem eigenen Journal zu Füllabweichungen, gibt ein realistisches Bild der Ausführungsqualität jenseits von Marketingaussagen.