Zwei Trader mit identischer Trefferquote und identischen R-Multiples können rein aufgrund davon, wie sie die Positionsgröße mit dem Kontoveränderungen skalieren, sehr unterschiedliche Kontoverläufe erzielen. Das ist ein mechanischer, mathematischer Unterschied — keine Frage des Könnens.
Feste Lot- (oder feste Dollar-Risiko-) Größe
Riskiere denselben Dollarbetrag (oder dieselbe Lot-Größe) pro Trade, unabhängig von Kontostandänderungen. Wachstum ist linear: Gewinne und Verluste werden addiert, nicht multipliziert. Das erzeugt eine glattere, vorhersehbarere Eigenkapitalkurve, deckelt aber den Zinseszinseffekt von Gewinnserien.
Kompoundierung (Prozent-Sizing)
Berechne das Risiko nach jedem Trade als festen Prozentsatz des aktuellen Kapitals neu. Wachstum ist geometrisch — Gewinnserien beschleunigen Gewinne, weil jeder Trade in Dollar mehr riskiert, während das Konto wächst, aber Verlustserien verlangsamen auch Verluste in Dollar, während das Konto schrumpft (derselbe Mechanismus wie bei der Drawdown-Mathematik).
Vergleich: 10 Trades, abwechselnd +2R/-1R
Startkapital 10.000 $, Risiko 2% pro Trade, Sequenz: G, G, V, G, V, G, G, V, G, V (6 Gewinne bei +2R, 4 Verluste bei -1R).
| Methode | Endkapital | Gesamtrendite |
|---|---|---|
| Fester $-Betrag (200 $/Trade) | 11.600 $ | +16% |
| Kompoundierung (2% des aktuellen Kapitals) | 11.942 $ | +19,4% |
Kompoundierung schneidet in dieser Gewinnsequenz besser ab, weil Gewinne auf einer wachsenden Basis entstanden. Kehrt man die Sequenz um und lässt Verluste vorne stehen (V, V, V, G, G...), schneidet Kompoundierung schlechter ab als festes Risiko, weil frühe Verluste die Basis schrumpfen lassen, von der spätere Gewinne kompoundieren.
Dieselbe Trade-Menge in anderer Reihenfolge erzeugt unter Kompoundierung ein anderes Endkapital. Dieses 'Reihenfolge-Risiko' ist der Grund, warum Kompoundierung sowohl gutes als auch schlechtes Glück in der Reihenfolge der Trades verstärkt.
Praktische Empfehlung
| Situation | Empfohlener Ansatz |
|---|---|
| Kleines Konto, Erfolgsbilanz aufbauen | Kompoundierung mit moderatem % — lässt Kapital sinnvoll wachsen |
| Funded-/Prop-Konto mit strikten Drawdown-Limits | Festes Risiko oder reduziertes % nahe Drawdown-Schwellen |
| Regelmäßige Gewinnentnahme | Festes Risiko auf stabiler Basis nach Entnahmen |
| Großes, reifes Konto | Oft ein Hybrid: kompoundieren innerhalb einer Obergrenze, dann abflachen |
Ein gängiger Hybrid-Ansatz
Viele erfahrene Trader kompoundieren normal, berechnen das Risiko aber stufenweise neu (z. B. alle 1.000 $ oder 10% Wachstum) statt nach jedem einzelnen Trade. Das erfasst den Großteil des Kompoundierungs-Vorteils, vermeidet aber wilde Schwankungen der Positionsgröße von einem Trade zum nächsten.